
Die erste größere Wanderung führte mich Anfang Juni auf den Gendarmstien in Nordschleswig. Der Gendarmstien ist der alte Grenzer-Weg auf der dänischen Seite der Flensburger Förde und wurde vor einigen Jahren wiederhergestellt und ausgeschildert. Naturgemäß verläuft er in der Nähe der Ostsee. Es galt auch herauszufinden, wie die in Dänemark überall vorhandenen „einfachen Übernachtungsplätze“ sind und funktionieren. Drei Tage sollte die Wanderung dauern, mit zwei Übernachtungen auf den Plätzen, einem Besuch von Schloss Gravenstein mit dem bekannten Apfel und den Düppeler Schanzen. Einen Endpunkt und eine genaue Strecke hatte ich mir nicht gesetzt, mal schaun, wie weit ich komme.
Und wenn dann auch noch einiges nackig ginge …..
Der Reihe nach, Anreise mit dem Zug nach Flensburg, mit dem Bus bis zur Grenze, Rucksack geschultert und los ging es. Am ersten Tag, einem Sonntag, schien die Sonne. Entsprechend viele Ausflügler waren unterwegs, nackig ging gar nicht. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Dänemark viele einzeln stehende Häuser und Gehöfte aufweist, man folglich selten so ganz in der freien Natur ist.
Doch etwas nackig ging, abendliche Katzenwäsche in der Ostsee, natürlich ohne Badebekleidung, sowas schleppe ich erst gar nicht mit. Der Übernachtungsplatz war mit einer der typischen Shelter-Hütten ausgerüstet, dazu Sitzbank und Grillmöglichkeit. Dieser war brauchbar, aber nicht so schön gelegen.
Am zweiten Tag war es kühl, bewölkt und windig. Für nackig war einfach zu kalt, bis auf das abendliche Bad in der Ostsee. Der zweite Platz an der Ostseite der Broager-Halbinsel war sogar mit Komposttoilette und einem Wasseranschluss ausgestattet. Welch ein Luxus. Wie es auch sonst überhaupt kein Problem war, Trinkwasser zu bekommen. An jedem Badestrand stand meistens eine Toilette und ein Trinkwasseranschluss zur Verfügung. Wer das Problem einer ausreichenden Wasserversorgung z.B. bei einer Wanderung im Harz kennt, das hier sind paradiesische Zustände.

Da es am nächsten Morgen windstill und nicht zu kalt war, konnte nackig gefrühstückt werden. Zwar standen auf dem nahe gelegenen Parkplatz einige Camper, aber dort lag man wohl noch in tiefen Schlummer, auch lag der Platz leicht geschützt. Das machte Lust auf mehr und wahrlich war wenig später das Verstauen der Kleidung im Rucksack möglich. Im Wald bei Skelde sowie zwischen den beiden nördlich davon gelegenen Campingplätzen konnte die Wanderung hautmäßig frisch und vollständig von Luft umgeben genossen werden. Hier verlief der Weg oben an der Steilküste, mit herrlichen Blicken aufs Wasser, kein anderer Wanderer oder Spaziergänger war unterwegs. Die benachbarten Häuser lagen auch alle weiter von der Küste entfernt. Das war dann bei Düppel doch deutlich anders, der ein oder andere Spaziergänger konnte schon weit im voraus gesichtet werden, sodass, bis auf ein paar Photos, die Kleidung am Körper bleiben musste.

Kurz vor Düppel verlief der Weg auf dem Strand, das Hochwasser vom Oktober hat hier gute Arbeit als Landschaftsgestalter geleistet, schön, wenn nicht immer alles freigeräumt wird.
Was bleibt? Dänemark ist stark zersiedelt, Nacktwandern ist aufgrund der Siedlungsstruktur nur kleinräumig möglich, Nacktbaden wohl außerhalb der offiziellen Badestrände kein Problem, wie gesagt,es war kein Badewetter, die Strände leer. Die Übernachtungsplätze sind einfach toll, bieten alles für eine bequeme Freiluft-Übernachtung, viele sogar mit Wasseranschluss und Trockentoilette, wie auch sonst die Trinkwasserversorgung überhaupt kein Problem ist. Shelter auf den Plätzen machen es auch möglich, dass das Zelt zuhause bleiben kann. Das Land ist einfach hyggelich, mir wurde sogar verziehen, dass ich beim Bäcker keine Nummer gezogen habe….
Die Rückreise erfolgte mit dem Linienbus von Sonderburg nach Flensburg ganz einfach, bezahlen in Euro war möglich, 10 € kostet die Tour.

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